In einer Welt, in welcher das Wagnis auf ein größtmögliches Minimum reduziert ist und das Geschäft mit der Angst Milliardengewinne abwirft, suchen Menschen nach der Erfahrung von Freiheit.

Doch das, was sie vermeintlich befreit – wie die Sucht des Glücksspiels oder des Alkohols – legt sie erneut in Fesseln.

Auch die Jagd nach der Überwindung von Grenzen, welche sie in extremen Situationen wie beim Marathon, Free Climbing oder Parcours erfahren, macht sie abhängig vom nächsten Kick.

Wahre Freiheit aber zeigt sich nicht im kalkulierten Grenzgang oder im künstlichen Rausch.  Sie zeigt sich im Mut, etwas zu wählen, dessen Ausgang ungewiss ist. Freiheit ist das Glück, die Katze im Sack zu kaufen.

So ist nicht derjenige frei, welcher sein Studium nach dem wahrscheinlich größtmöglichen Nutzen für sein darauffolgende Leben wählt, sondern jener, welcher seinem inneren Verlangen folgt.

Ist Freiheit unvernünftig? Ich würde sagen, im höchsten Maße ja. Auch wenn Immanuel Kant mir dabei mit seiner Aussage: „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit.“, diametral gegenübersteht.

Ist es nicht so, dass die Vernunft, die uns diktiert, wie wir uns gegenüber den Zumutungen und Wechselfällen des Lebens absichern und vorsorgen sollen, uns in höchstem Maße das Glück der Freiheit nimmt?

Doch meine ich mit Freiheit nicht, das blinde Folgen meiner Wünsche und Bedürfnisse. Freiheit bedeutet das Glück, dem Nichterwartbaren zu begegnen. Das Leben ist ein Abenteuer und nur, wenn ich mich auf die Wechselfälle des Lebens ohne Netz und doppelten Boden einlasse, ohne dabei das Wagnis einzugehen, Anderen durch mein Leben zu schaden, kann ich tatsächlich Freiheit erfahren.

Denn das ist doch die Krux an den Angeboten der Süchte: Dass sie die Erfahrung des Glücks der Freiheit zerstören, da ihr Angebot im Reich des Erwartbaren liegt. So sehr der Süchtige von der Sucht in den Abgrund gezogen wird, so sehr hofft er doch auf ein gutes Ende. Doch genau das ist der Trugschluß der inszenierten Freiheit. Denn Freiheit ist nicht die Garantie auf ein gutes Ende, sondern die Erlaubnis zum freien Beginn.