I
Paradies – welch schönes Wort. Ein Wort, welches uns allen alles verspricht – doch jedem von uns etwas anderes. Das Paradies, jener Ort an dem unsere Seelen ausruhen und Frieden finden, weil sie dort endlich bekommen, wonach sie sich seit jeher sehnen.
II
Ein Paradies ist ein Ort ohne Zaun. Es ist offen für alle und es hat Platz für alle. Wir sind in unseren Paradiesen so freigiebig, offenherzig und gastfreundlich wie sonst nirgendwo. Doch sind unsere Paradiese nie die der Anderen.
III
Wenn wir versuchen, unsere Paradiese in der Welt zu verwirklichen, geraten sie mit den Paradiesen der Anderen aneinander.
IV
Wir wissen uns als Gast zu benehmen. Wir sind höflich, zurückhaltend und achten darauf, keinen Schaden bei unserem Gastgeber anzurichten. Wenn wir die Welt als ein Kaleidoskop der versuchten Paradiese auf Erden unserer Mitgeschöpfe begriffen, erwüchse daraus nicht eine Kultur der gegenseitigen Achtung?
V
Denn was ist das Leben anderes als der Versuch, das Paradies auf Erden zu errichten? Konnten Adam und Eva im Paradies in Frieden friedlich miteinander und allen Anderen leben, weil sie noch nicht vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten? Und was bedeutet diese Frucht der Erkenntnis? Meint sie, ein Bewusstsein für sich selbst und die Welt zu bekommen? Waren Adam und Eva vorher ohne Verstand? Falls ja, wie konnten sie leben und die Welt genießen?
VI
Die Schlange, die Eva und Adam dazu bringt, vom Baum der Erkenntnis zu kosten, verspricht ihnen durch den Genuss der von Gott verbotenen Frucht Gottesgleichheit. Jetzt stellt sich die Frage: Hat die Schlange gelogen oder ist der Mensch eben doch nicht nach Gottes Ebenbild erschaffen?
VII
Wenn Gott uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat, sollte es uns möglich sein, dass wir unser Bewusstsein auch zum Erschaffen harmonischer Zustände zu einer Welt voller ineinander übergehender Paradiese nutzen können. Denn ist Gottes Schöpfung nicht ein vielfältiges Miteinander?
