Je tiefer ich in den Wald vordrang, desto weniger Lichtpunkte sprenkelten den Boden. Wenn ich noch weiter hinein wollte, würde ich eine Lichtquelle brauchen, um zu vermeiden, dass ich alle naselang über Wurzeln oder Steine stolperte oder schlimmer noch, mir den Kopf an einem tiefhängendem Ast stieß.
Das Merkwürdige an diesem Wald war, dass es mein Wald war und ich ihn bisher kein Stück kannte. Von draußen war er schön anzusehen gewesen, doch die Angst vor seinem Inneren hatte mich bislang davon abgehalten, ihn zu betreten. So lange, bis ich dem Verlangen danach, endlich zu wissen, was in ihm vorging, nicht mehr widerstehen konnte.
Gab es vielleicht große wilde Tiere in ihm, die drohten mich in Stücke zu reißen, wenn ich nicht gut genug auf mich aufpasste? Und was war mit seinen vielen Früchten? Würde ich sie geniessen können? Würden sie mich wenigstens nähren, wenn ich sie schon nicht geniessen konnte oder würden sie mich , wenn ich sie äße, schlimmstenfalls töten?
Ich hörte in der Ferne ein Plätschern. Das schien ein Bach zu sein, der sich durch meinen Wald wand. War das ein gutes Zeichen? Was, wenn das Wasser des Baches giftig war?
Ich blieb stehen und hob den Kopf. Die Wipfel der Bäume schwebten in schwindelerregenden Höhen. Der Kompass, der mich wieder aus dem Wald herausführen sollte, spielte schon seit Stunden verrückt.
Ich stützte mich mit der Hand an einen mir nahestehenden Baum. Da geschah es. Kaum, dass ich ihn berührt hatte, verwandelte sich mein Handteller in lebendiges Holz. Meine Finger wurden zu Zweigen, aus deren Kuppen grüne Blätter sprossen. Erschrocken wollte ich meine Hand zurückziehen, doch es war mir unmöglich sie wieder von dem Baum zu lösen. Meine Füße begannen Wurzeln zu schlagen und ich begriff mit einem Male, nun da ich zu einem Teil von ihm wurde, dass der Wald mich nähren würde.
